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EDITORIAL

Neues Jahr, neues Glück - oder doch was anderes?

Lothar Albert 
Chefredakteur und Herausgeber

Ein turbulentes Jahr geht zu Ende, ein neues kündigt sich an. Für die Welt war es ein sehr bewegendes Jahr, mit vielen Ereignissen, die man nicht vorhergesehen hatte – wie Krieg in Europa, spürbarer Klimawandel oder eine heftige Inflation. Für Börsianer wird die „Zeitenwende“ (Bundeskanzler Olaf Scholz) bestimmt von den Notenbanken. Zum ersten Mal seit der Finanzkrise treten sie auf die Bremse und kippen kein mit Liquidität gefülltes Füllhorn mehr über den Börsianern aus. Der Aktienmarkt reagierte darauf geradezu lehrbuchmäßig und beendete den Aufwärtstrend. Aufwärts ohne Ende, wie es der 2020 verstorbene ehemalige BILD-Vize Paul C. Martin in einem seiner literarischen Werke beschrieb: Das ist Geschichte.

Stellt sich die Frage nach dem Ausblick. Wie jedes Jahr werden Analysten und Fondsmanager gefragt, wo sie den DAX Ende 2023 sehen. Und wie jedes Jahr werden sie alle falschliegen. Selbst wenn man den Durchschnitt aller gewetteten Indexstände nimmt, muss er nicht nah am Endergebnis liegen. Börse hat nun einmal nichts mit Glaskugeln und präzisen Vorhersagen zu tun. Aber das ist nicht schlimm, eine Trefferquote von 50 Prozent beschert manchen Erfolg an der Börse und anderen den Bankrott.

Das Erfolgsgeheimnis (pst, nicht weitersagen…) ist, dass man eine Strategie hat. Sie sagt einem, wann man in den Markt gehen soll und wann wieder raus. Sie sagt einem, wann man falschliegt und wie man seine Verluste möglichst klein hält. Zusammen mit einem guten Money-Management und einer disziplinierten Umsetzung handelt man dann mit einem positiven Erwartungswert. Und damit ist es fast schon schwer, am Ende des Jahres kein Plus zu haben – unabhängig vom Indexstand.