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EDITORIAL

Was wir uns eingestehen müssen

Lothar Albert 
Chefredakteur und Herausgeber

Viele erfolgreiche Leute kommen irgendwann auf die Idee, an der Börse das große Geld machen zu wollen. Das Interesse am „leichten“ Geldverdienen ist groß, und man kann ja was. Das Ganze hat jedoch meist zwei grundlegende Haken, die die Erfolgsaussichten erheblich beeinträchtigen. Aber an der Börse gelten ganz eigene Regeln – und die muss jeder Trader erst lernen, auf die leichte oder auf die harte Tour. Die leichte Tour ist es, klein zu traden und - absolut betrachtet - mit kleinen Einsätzen (und Verlusten) die Lernkurve zu überleben. Die harte Tour ist das, was bislang erfolgreiche Menschen viel lieber tun: gleich ganz groß mitspielen. Die bisherigen positiven Leistungen im Berufsleben führen dazu, dass sich manche Leute mitunter voreilig mit einem zu großen Konto ins Börsengeschehen stürzen. Finanziell und psychisch schlecht! Gerade am Anfang passieren die meisten Fehler und eine Professionalisierung stellt sich erst im Laufe der Zeit ein. Diese Lehrzeit muss sich jeder zugestehen, ungeachtet seines bisherigen persönlichen Erfolgs. Wer diese Hürde als nicht notwendig ansieht, schwimmt sozusagen blind mit seinem Geldbeutel in einem Haifischbecken. Zum Zweiten kann es erfolgreichen Menschen schwerfallen, sich Fehler einzugestehen und ein guter Verlierer zu sein. Sie können im „normalen“ Wirtschaftsleben durch kluges Planen und Ausführen viele Fehler vermeiden, aber an der Börse werden diese Fehler passieren und die Verluste kommen – garantiert. Daher ist es notwendig, sich seiner Fehlbarkeit immer bewusst zu sein und damit verbundene Verlusttrades nicht persönlich zu nehmen. Sein eigenes Verhalten so gut zu reflektieren, dass diese Bescheidenheit in Bezug auf das eigene Ego und „Können“ gelingt, ist nicht jedermanns Sache – aber wohl eine der wichtigsten Grundlagen, um im „Spiel der Spiele“ langfristig erfolgreich zu sein.

Good Trading!