<
EDITORIAL

Momentum vs. Mean Reversion

Marko Gränitz Stellvertretender Chefredakteur

Viele Trader kennen die alte Börsenweisheit, dass „alles, was hoch gestiegen ist, irgendwann auch wieder zurückkommen muss“ (Mean Reversion). Dem entgegnen die Anhänger des Konzepts der relativen Stärke allerdings, dass sich überdurchschnittlich starke oder schwache Aktien oft auch weiterhin stark oder schwach entwickeln (Momentum), statt ihren Trend zu ändern. Wie passen diese beiden Welten zusammen?

Die Antwort lautet: Beide Konzepte liegen richtig, aber auf verschiedenen Zeithorizonten. Momentumtrader haben recht, wenn sie sagen, dass auf überdurchschnittliche Kurssteigerungen häufig weitere Anstiege folgen. Das beste Beispiel sind die Aktien der großen US-Techkonzerne Microsoft, Apple, Google oder Facebook.

Doch dieser Effekt ist zeitlich begrenzt. Früher oder später kommt es an den Märkten zu Übertreibungen, die heftige Rückschläge zur Folge haben. Bei den genannten Techkonzernen erscheinen diese längst überfällig, aber vielleicht steht ihnen die Mean Reversion erst noch bevor. Irgendwann kommt schließlich fast alles wieder zurück. Nicht nach ganz unten, aber zumindest auf moderate Bewertungsniveaus. Auch eine Rakete kann nicht für immer steigen und selbst Satelliten in stationären Umlaufbahnen oder Raumstationen stürzen irgendwann auf die Erde zurück, wenn keine aktiven Bahnanhebungen mehr erfolgen.

Denken Sie also in der Euphorie, die Sie während eines raketenhaften Momentumschubs bei einer Ihrer Positionen erleben, immer auch daran, mal ein paar Gewinne vom Tisch zu nehmen. Aus gutem Grund sagen viele erfolgreiche Trader, dass man besser zu früh als zu spät verkauft. Denn auf lange Sicht ist es durchaus möglich, dass sich ein guter Teil der schönen Buchgewinne wieder in Luft auflöst.

Good Trading!