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EDITORIAL

Wie würden Politiker traden?

Lothar Albert 
Chefredakteur und Herausgeber

Haben Sie schon mal darüber nachgedacht, wie sich unsere Politiker wohl im Trading-Geschäft schlagen würden? Vorausgesetzt natürlich gleiche Bedingungen, also genau wie alle anderen ohne eventuelle Insider-Infos (oder den „guten Draht“ zur Wirtschaft).

Meiner Meinung nach würden die Politiker den Karren gegen die Wand fahren. Ich glaube auch, dass es zwischen den Parteien keine großen Performance-Unterschiede gäbe. Denn mehr als (fast) alle anderen Menschen sind Politiker „overconfident“. Mit anderen Worten: Sie leiden in der Regel unter einer schweren Form der Selbstüberschätzung. In der Politik mag das von Vorteil sein, denn hier kann man viel versprechen, ohne die Folgen tragen zu müssen. Im schlimmsten Fall bekommt man die Quittung über eine Abwahl, aber über dieses Loch hilft einem die Abgeordnetenrente. Und schuld sind sowieso immer die anderen.

Beim Trading sieht das völlig anders aus, denn da kommt das Feedback unverzüglich und gnadenlos. Das Konto kann man nicht schön reden. Doch genau das ist die Disziplin, in der alle Politiker punkten. Aber die Kurse schaffen unveränderliche Tatsachen, bei denen alles Reden nichts mehr hilft. Das größte Problem hätten die Politiker aber sicherlich damit, dass sie ihre Verluste strikt begrenzen müssten. Werfen Sie einen Blick auf die Entwicklung der Staatsverschuldung und urteilen Sie selbst, inwieweit Politiker Verluste begrenzen können.

Gerne lasse ich mich natürlich vom Gegenteil überzeugen. Bisher gibt es allerdings noch keine Studien dazu, sodass man hier einen spannenden Feldversuch durchführen könnte – wenn sich denn Politiker finden, die tatsächlich mitmachen.

Vielleicht lässt sich dieses Projekt ja aus der Staatskasse finanzieren. Auf das bisschen kommt es jetzt auch nicht mehr an.

Good Trading!